Kategorie: Monatsnotiz

  • Monatsnotiz August – November

    Monatsnotiz August – November

    Tagungen

    Über einen längeren Zeitraum haben wir im Landesportal ORCA.nrw eine Vernetzungsveranstaltung für alle geförderten Projekte in NRW mit einschlägigem Digitalisierungsbezug geplant. Zusammen mit dem Stifterverband, der Digitalen Hochschule NRW und dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW haben wir einen Verteiler von 329 (!) Projekten angeschrieben und zum Austausch und inhaltlicher Arbeit am Schwerpunktthema „digitale Kompetenzen“ nach Essen ins Congress Zentrum eingeladen. Sehr erfreulich war, dass 200 Personen dieser Einladung gefolgt sind. Eine Tagungsdokumentation dazu gibt es hier.

    Als roter Faden durch die Tagung zog sich die Frage, wie „digitale Kompetenzen“ zu denken und umzusetzen sind. Ich hatte mich in Vorbereitung auf die Podiumsdiskussion auch damit beschäftigt und kritische Stimmen dazu gelesen, wie z.B.:

    Die Begriffe „digitale Bildung“ oder „digitale Kompetenz“ helfen dabei kaum weiter. Sie tauchen regelmässig in der bildungspolitischen Diskussion auf und wollen den Fokus auf „das Digitale“ lenken. Dennoch bleibt unklar, in welcher Weise sie sich von einer „analogen Bildung“ oder einer „analogen Kompetenz“ absetzen (können) und sie bleiben – vor allem – dem Gedanken verhaftet, dass es hier im Kern um eine zusätzliche Anforderung geht.

    Kerres, Michael (2017): Digitalisierung als Herausforderung für die Medienpädagogik: „Bildung in einer digital geprägten Welt“. In: Middendorf, William (Hrsg.): Münstersche Gespräche zur Pädagogik. Münster: Waxmann. Preprint online verfügbar unter http://learninglab.uni-due.de/sites/default/files/kerres4m%C3%BCnster_0.pdf

    Einen Konsens über das Verhältnis von „analog“ und „digital“ bzw. „alten/traditionellen“ und „neuen“ Kompetenzen scheint es bislang nicht zu geben. Die Deutungshoheit liegt weniger bei den Hochschulen oder den Bezugswissenschaften, sondern mehr bei den durch große IT-Konzerne geprägten Vorstellungen über die Rolle von IT für die Gesellschaft und die Bildung. Dazu schreibt Martin Weller in seinem neusten Buch „Metaphors of EdTech“:

    Ed tech is a multi-billion-dollar industry, and the role of companies and technology will have an influence on how education is realized in the coming years. The future of education and change within the sector are nearly always couched in terms of responding to the challenges presented by technology.

    Weller, Martin (2022): Metaphors of ed tech. Athabasca, Alberta: Athabasca University Press.

    Zu Gast war ich außerdem beim Tag des Lehrens und Lernens an der Universität Freiburg und habe einen Vortrag zum Thema Konturen einer Hochschulbildung Post-Corona beigesteuert. Ich habe dabei einen Blick auf die zentralen Voraussetzungen einer gelingenden Hochschulbildung in der digitalen Zeit geworfen. Ähnlich wie bei der Tagung in Essen ging es um grundsätzliche Klärungen zu Konzepten wie „digitale Lehre“ oder „hybride Lehre“. Mein Vorschlag, sich dazu in einem partizipativen, hochschulweiten Prozess zu positionieren und das Ergebnis als „Leitbild“ zu veröffentlichen, wurde in der anschließenden Podiumsdiskussion kritisch aufgenommen. Denn wenn es nicht gelingt, das Papier mit Leben zu füllen und in den Alltag der Lehre zu überführen, bleibt es ein Papier, das man lesen und wieder vergessen kann. Auf der anderen Seite sehe ich die Orientierungsfunktion und die damit ausgelöste Motivation, die helfen kann Change-Prozesse in Gang zu setzen.

    Podcast

    Eine weitere Episode des Feierabendbier Open Education haben Christian und ich aufgenommen und veröffentlicht. Dabei haben wir uns schwerpunktmäßig mit der OER-Strategie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung beschäftigt. Grundlegend positiv ist der Entwurf zu werten und dass er tatsächlich publiziert wurde. Auf der anderen Seite macht das relativ kleine Budget (z.B. im Vergleich zum Volumen, das für die digitale Vernetzungsinfrastruktur aka Nationale Bildungsplattform zur Verfügung steht) es herausfordernd, die Handlungsfelder mit wirksamen Maßnahmen auszustatten.

    Lektüre

    Über einen längeren Zeitraum habe ich den Roman Miami Punk gelesen, was es mitunter schwierig macht den einzelnen Handlungsfäden zu folgen. Dennoch macht es viel Spaß in die verschiedenen Substanzen-Kulturen, die erzählt werden einzutauchen und viel über Games oder Verschwörungserzählungen zu erfahren. Wer das Buch durch hat, kann danach auch gut das Hörspiel „Miami Punk: The complete DLC“ konsumieren. (Bei mir war es umgekehrt, was aber auch funktionieren kann.)

  • Doppelmonatsnotiz (Juni & Juli)

    Doppelmonatsnotiz (Juni & Juli)

    Epic Konferenz in Rotterdam

    Noch etwas eingerostet – ich hatte noch alte Visitenkarten dabei – nahm ich an der Educational Pioneers and Innovators Conference (EPIC) in Rotterdam teil.

    Die Van-Nelle-Fabrik – Tagungsort der EPIC

    Mitgenommen habe ich die Keynote von Dirk van Damme (ehemals OECD) zur digitalen Transformation der Hochschulbildung. Er nahm eine Helikopter-Perspektive ein und sprach über zurückliegende Versprechungen der digitalen Bildung, die sich allerdings oft nicht bewahrheitet haben. Was stattdessen passiert ist? Hochschulen sind – auch weil sie schon so alt sind – veränderungsresistent und es gibt wenig Aussicht auf eine digitale Revolution. Auch die steigende Verbreitung von E-Learning-Anwendungen (Plattformen, Geräte, Software) führte nicht automatisch zu einer Verbesserung der Lehr- und Lernqualität. Wie die Pandemie zeigte, ist die Verbreitung von digitalen Infrastrukturen sehr ungleich verteilt. Das gängige Lehrmodell hat sich seit dem Zweiten Weltkrieg nicht signifikant verändert und damit bleibt auch die Chancengerechtigkeit ungleich. Für van Damme ist insbesondere das lebenslange Lernen eine große Herausforderung, d.h. es gibt zu wenig Rekrutierung von lebenslang, d.h. nicht-traditionell Studierenden.

    Seine Schlussthese war, dass er ein „Wachstum des Neuen im Alten“ erwartet, mit Spannungen, Widersprüchen und endlosem Wandel.

    Nach seinem Vortrag hatte ich die Möglichkeit, van Damme zusammen mit Kolleg:innen des Hochschulforum Digitalisierung zu interviewen.

    Keynote beim Tag der Lehre Ostfalia

    Von Rotterdam ging es mit dem Zug nach Wolfsburg, wo ich zum Tag der Lehre den Vortrag „Warum gute Lehre zwingend auch digitale Lehre sein muss“ präsentierte (eine Dokumentation findet sich hier).

    Hier klicken, um den Inhalt von docs.google.com anzuzeigen.

    ORCA.nrw

    Im Landesportal ging es u.a. um die Einführung von Confluence für das interne Wissens- und Kommunikationsmanagement, das Kick-off für geförderte Projekte der Linie „OERContent.nrw“, den Austausch mit Hochschulleitungen und viele Absprachen mit unseren Partnern.

    Im neu gegründeten Kooperationsnetzwerk KNOER stellten wir uns der interessierten Öffentlichkeit mit einer Veranstaltung.

    OER-Strategie BMBF

    Mitten in der Sommerpause, Ende Juli, gab es für mich noch ein Highlight. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat die schon vor vier Jahren angekündigte OER-Strategie im Rahmen einer teil-öffentlichen Veranstaltung veröffentlicht. Insgesamt ist es ein gelungener Aufschlag – so werden etwa Open Educational Practices (OEP) erwähnt. Die definierten Handlungsfelder sollen mit einer neuen Förderung begleitet werden. Als Landesvertreter freue ich mich, dass das BMBF zu einem fortgeführten Dialog aufgerufen hat.

  • Doppel-Monatsnotiz (April und Mai)

    Doppel-Monatsnotiz (April und Mai)

    Urlaub

    Der April begann mit Urlaub und einer Rundreise durch Mittel- und Süddeutschland. Station machte ich auch an meiner alten Wirkungsstätte. der TU Ilmenau, wo ich 2001 als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt medin (dabei ging es um Medizinische Informatik) meine Hochschullaufbahn begann.

    Wenn ich mir heute die damaligen Paper (z.B. hier PDF) anschaue, verfestigt sich der Eindruck, dass in den letzten 20 Jahren nicht die Fortschritte wie erhofft gemacht wurden. So hieß es etwa

    Diese interaktive, multimediale Lernumgebung bietet ein großes Motivationspotential zur stärker selbstgesteuerten Lernaktivität seitens der Lernenden und bietet damit auch eine gute Chance zu größerem Lernerfolg.

    Allerdings – und das zeigen die Erfahrungen in der Corona-Pandemie als die Lehre komplett auf digitale Formate umgestellt wurde, fehlte es an einer „strukturellen Kopplung“ zwischen den multimedialen/interaktiven Lernumgebungen und der Präsenzlehre.

    Das alte Gebäude des Instituts für Medien- und Kommunikationswissenschaft an der TU Ilmenau

    Schon vor langer Zeit hat das Institut den Standort gewechselt und nun auf dem Campus der TU integriert. Damals waren die angebotenen Fächer wie Angewandte Medienwissenschaft noch neu und exotisch und vielleicht deshalb an den Rand der Stadt gedrängt.

    ORCA.nrw

    Im Landesportal stand und steht weiterhin Arbeiten an der technischen und personellen Infrastruktur an (Plattform und Geschäftsstelle) mit vielen Abstimmungen und Vereinbarungen. Der Wechsel unseres alten IT-Dienstleister zu einem neuen Unternehmen war verbunden mit Abnahmen und Onboarding. Die komplexe technische Architektur wurde unter die Lupe genommen, Prozesse verfeinert und neue Werkzeuge für die Zusammenarbeit im Team und mit externen Partner eingeführt.

    Kooperationsnetzwerk für OER-Plattformen

    Anfang Mai fand die Gründungsveranstaltung für das Kooperationsnetzwerk, mit dem verschiedene OER-Portale in Deutschland näher zusammenrücken. Eine erste öffentliche Präsentation fand anschließend im Rahmen der Veranstaltung Nationale Bildungsplattform – Status quo, Hochschul- und Länderperspektiven statt. Auf der Seite ist die Aufzeichnung und die Präsentation verlinkt. Eine weitere Publikumsveranstaltung wird am 22. Juni online stattfinden.

    Kultur in Berlin

    Zu berichten ist der Besuch in der Ausstellung Bitte lachen / don’t cry in der Neuen Nationalgalerie. Mit großflächiger und Raum ausgreifender Textarbeit setzt die Künstlerin ihre gesellschaftskritische Arbeit fort. Neben Zitaten von Autor:innen wie Orwell und Brecht finden sich Smileys und Kurznachrichten. Je nach Standort verändert sich die Wahrnehmung und Lesbarkeit der Botschaften – eine schöne performative Auseinandersetzung mit den aufgeheizten Debatten auf Social Media.

  • Monatsnotiz März

    Monatsnotiz März

    Urlaub

    Der Grund, warum diese Monatsnotiz nach einer Woche erscheint, ist mein Urlaub: Eine kleine Rundreise durch Mittel- und Süddeutschland mit Stationen in Erfurt, Würzburg, Stuttgart, München und Bamberg.

    Landesportal ORCA.nrw

    Die Arbeiten im Bereich Technik und Personal gehen weiter mit Aufbau, Konsolidierung und Standardisierung von Prozessen und Strukturen. Beim Thema Einstellungen gibt es mittlerweile einen ausführlichen Onboarding-Prozess mit Instrumenten wie „100-Tage-Gespräch“.

    Inhaltlich habe ich mich unter anderem mit dem Thema KI / adaptives Lernen im Zusammenhang mit dem Projekt KI:Edu.nrw sowie der Open Education Week beschäftigt.

    Auf Einladung des Projekts ENCORE+ (European Network for Catalysing Open Resources in Education) habe ich an einem Austausch zur aktuellen Situation von OER in Europa teilgenommen.

    Podcast

    Nach (zu) langer Zeit haben Christian und ich eine weitere Episode des Feierabendbier Open Education Podcast aufgenommen und uns ausführlich mit dem Buch „Träge Transformation“ beschäftigt.

    Publikation

    Zusammen mit zwei Kolleg:innen der FernUniversität habe ich den Beitrag „Die Digitalität als epochaltypisches Schlüsselproblem für die Hochschullehre“ für den Sammelband „Pädagogik, Soziale Arbeit und Digitalität“ geschrieben, der nun veröffentlicht wurde und hier [PDF] kostenlos herunterladen werden kann.

  • Monatsnotiz Februar 2022

    Monatsnotiz Februar 2022

    Landesportal ORCA.nrw

    Für die Nachbetreuung der Förderlinie OERContent.nrw (PDF) habe ich eine Reihe von Feedback-Gesprächen geführt. In der Geschäftsstelle sind 58 Anträge eingegangen, von denen letztlich 18 bewilligt wurden (siehe PM). Für die „Abgelehnten“ habe ich die Möglichkeit aufgemacht, einzelne Teile eines Kurses oder einzelne OER außerhalb der Förderung für das Landesportal zur Verfügung zu stellen.

    Zu Besuch in der Geschäftsstelle war Herr Staatssekretär Günnewig und informierte sich über offene Bildung und die Services von ORCA.

    An der Tagung Inverted Classroom and Beyond / Tag der Lehre an der Universität Paderborn habe ich mich mit einem Input und einer Roundtable-Diskussion zu OER beteiligt.

    Lehre an der FernUniversität in Hagen

    Im Rahmen eines Lehrauftrages habe ich für den Studiengang Bildung und Medien: eEduacation das Seminar Das Erbe der Teaching Machines – die kulturellen und politischen Grundlagen des E-Learning und ihre Bedeutung für zeitgemäße digitale Bildung durchgeführt. Wie der Titel anklingeln lässt, habe ich das Buch „Teaching Machines“ von Audrey Watters als Grundlage verwendet. Da ich das gesamte Buch nicht als Lektüre voraussetzen wollte, habe ich mich auf die Einleitung und die dort entfaltete Argumentation fokussiert. In Kleingruppen haben danach die Teilnehmenden historisches Material zu Lehrmaschinen aus den 1960er-Jahren bearbeitet. Hier war die zentrale Erkenntnis, dass sich in den Debatten seither wenig geändert hat. Was heute digitale Anwendungen in der Lehre sind, waren damals die Sprachlabore, die Sorgen und Hoffnungen haben sich aber wenig verändert. Das ist auch die zentrale These von Watters: Die „Teaching Machines“ als Diskurs ist erstaunlich stabil, da er sich aus gegenseitigen Strängen aus Hoffnungen der Politik (siehe dazu z.B. die Initiative Digitale Bildung vom Februar 2021 des BMBF), wirtschaftlichen Interessen (der „Ed-Tech-Markt“) und gesellschaftlichen Erwartungen (z.B. „Deutschland muss endlich den Anschluss bei der Digitalisierung schaffen“) zusammensetzt. Was dabei auf der Strecke bleibt ist die Analyse, inwieweit die technischen Lösungen eine adäquate Antwort und die Bildungsprobleme von Schulen und Hochschulen darstellen.

    Lehre an der Universität zu Köln

    Das Seminar Praxis und Theorie digitaler Bildung ging mit dem Abschluss der Zukunftswerkstatt zu Ende. Es wurden eine Reihe von Utopien (als Reaktion auf bestehende Kritik am Hochschulsystem) sowie mögliche Umsetzungen geprüft und diskutiert.

    Podcast-Workshop für das eTeach-Netzwerk in Thüringen

    Wie in der September-Notiz berichtet, habe ich auch im Februar einen Workshop zum Podcasting in der Lehre durchgeführt.

    Kultur in Berlin

    Am Schiller Theater habe ich die „vergnügliche Dystopie“ der Chinese gesehen, die zu Pandemie- und Verschwurbelungs-Zeiten aktuell wirkt.

    Ebenfalls besucht habe ich das Stück Antikrist an der Deutschen Oper – eine visuell und musikalisch eindrucksvolles Darbietung.