Kategorie: Bildung

  • Wie offene Kurse unsere Bildung verändern: Bitte um Teilnahme an aktueller Studie

    Offene Kurse, wie der #opco12 sind zur Zeit ein großes Thema. Das radikal offene Format und die damit ermöglichte Vielfalt des Lernens ziehen massenhaft interessierte Menschen an, was zum Namen „Massive Open Online Courses“ führte. Der gerade zu Ende gegangene opco12 kann als Momentaufnahme betrachtet werden mit viel Stoff zum Diskutieren, wie ich hier bereits ausgeführt habe.
    Daneben sind es statistische Auswertungen, die uns helfen, Lernverhalten in offenen Kursen besser zu verstehen. Der enormen Vielfalt kann mit qualitativen Methoden begegnet werden. Genau darauf zielt eine aktuelle Studie an der FernUniversität in Hagen ab. Wir möchten dazu Teilnehmende des opco12 interviewen, um herauszufinden, wie ein solcher MOOC die Bildung verändert. Mit welchen Strategien bewegen sich Lernenden durch diese offene Welt? Wie schaffen sie es, Lernfortschritt herzustellen? Welche signifikanten Erlebnisse wurden gemacht? Dies sind Fragen, die wir in den Interviews diskutieren möchten.
    Wenn Sie also am opco12 teilgenommen haben und Zeit für ein 30-45 minütiges Interview hätten, melden Sie sich bitte bei mir oder direkt bei der Interviewerin, Frau Thiels:  interview-BA-2012@gmx.de. Die Gespräche werden individuell terminiert (Zeitraum 13.08 bis 13.09) und per Skype durchgeführt.
    Die Ergebnisse werden frei zugänglich gemacht.
    Vielen Dank für die Unterstützung.

  • Fernstudium und Open Education: Widerspruch oder logische Weiterentwicklung?

    Das Regionalzentrum Stuttgart der FernUniversität in Hagen feierte letzten Freitag sein einjähriges Bestehen und lud mich dazu für einen Festvortrag ein. Für mich eine passende Gelegenheit, grundsätzlich über Open Education (OER, MOOC) und Fernstudium nachzudenken.
    Ausgangspunkt meiner Überlegungen ist der aktuelle Hype, der sich um offene Kursformate, wie den Massive Open Online Course #change11 oder den gerade abgelaufenen #opco12 entzündet hat. Gerade für Menschen, die im Kontext von Präsenz-Lehrformaten sozialisiert worden sind, scheint die Faszination für eine solche eigenverantwortliche Herangehensweise ungemein hoch zu sein, wie z.B. in dieser Abschlussbilanz zum Ausdruck kommt.
    Dass aus MOOCs nun zunehmend Kapital geschlagen wird, zeige ich im nächsten Schritt. Es ist dann auch nicht sonderlich überraschend, dass mit dem MIT einer der Vorreiter der jüngeren Open Education Bewegung sich an der Entwicklung einer Plattform beteiligt, die MOOC dauerhaft anbieten und damit eine revolutionär radikal neue Zukunft der Bildung („The Future of Education“) ausrufen, wie in diesem kurzen Video-Clip zum Ausdruck kommt. Dieser Prozess des „Mainstreaming“ des originären MOOC-Konzepts wird kontrovers diskutiert, z.B. hier oder hier.
    In meinem Vortrag mache ich dann auf einen Aspekt aufmerksam, der bisher viel zu kurz kommt, obschon seine Bedeutung für „neue“ Formen des offenen online Lehrens und Lernens auf der Hand liegen, nämlich das Lernen aus der Ferne. Fernstudium oder Distance Education, hat eine relativ lange Geschichte und Tradition,  die University of London begann bereits 1858 mit einem Fernlehr-Programm. Der aus Deutschland stammende Pädagoge Otto Peters arbeitete ab den 1960er Jahren an einer theoretischen Fundierung und prägte den Begriff des „industrialisierten Lernens“ und übertrug Prozesse der Automatisierung, Arbeitsteilung und Skalierbarkeit auf den Fernunterricht. Nun können solche Begriffe sicherlich nicht länger zum Leitparadigma unserer Gesellschaft gezählt werden, dennoch stellen sie ernstzunehmende Versuche dar, das Fernstudium als eine gleichberechtigte pädagogische Form zu etablieren. Einen ähnlichen Ansatz verfolgte Delling mit der „helfenden Organisation„, die er als „Ensemble aus Personen, Maschinen und Materialien“ definierte. Praktisch umgesetzt wurde die helfende Organisation in Form der Regional- und Studienzentren. Nicht lehren, sondern unterstützen bei verschiedenen Fragen und Anliegen des Fernstudiums ist die zentrale Aufgabe.
    Vor diesem Hintergrund wirkt es erstaunlich, mit welcher Theorielosigkeit die jüngsten Ausläufer der Open Education Bewegung zu Werke gehen. So wird viel von Facilitator, eine Art Lernbegleiter, gesprochen, der eine Reihe von Aufgaben wahrnehmen sollte (http://moocguide.wikispaces.com/6.+Facilitating+a+MOOC):

    1. Make sure all the facilitators know for which topic they are responsible
    2. Sit together with the facilitators before setting up the MOOC agenda
    3. Go through the online tools with the facilitators to ensure they know the affordances of the online tools
    4. Pinpoint synchronous sessions (ideally in different time-zones, allowing people from around the world to attend without them having to wake up during the middle of the night)
    5. Make sure everyone knows what is expected of their facilitator role

    Auf dieser Webseite der FernUniversität in Hagen findet sich folgende Beschreibung des Aufgabenspektrums der helfenden Organisation:

    In den Regional- und Studienzentren werden den Studierenden
    Fachliche Betreuung (z.B. regelmäßige Betreuungsveranstaltungen zu Modulen/Kursen, Kompaktveranstaltungen, Klausurvorbereitungen),
    Veranstaltungen der Allgemeinen Studienberatung (z.B. Start it up, Lern- und Arbeitstechniken etc.) und Veranstaltungen der Fakultäten/Lehrgebiete (Präsenzveranstaltungen, Videostreamings etc.) offeriert.
    Der Lernraum „Virtueller Studienplatz“ und weitere neue Medien wie z.B. „moodle“ runden das Angebot ab.

    Es scheint somit nicht besonders ungerechtfertigt, die an einer helfenden Organisation arbeitenden Personen als „Facilitator“ im Sinne des MOOC-Konzepts zu begreifen. Und warum dann nicht konsequenterweise die Tradition der Fernlehre für die (Weiter-)Entwicklung von offenen Lernangeboten nutzen? Warum nicht einen „Blended MOOC“ für das Fernstudium aufbauen? An dieser Idee der Vermischung traditioneller akademischer Lehre und innovativen netzbasierten Lernformen hat Johannes Moskaliuk mit dem #ocwl11 gearbeitet, hier eine aktuelle Präsentation. Für das Fernstudium wäre es jedoch Neuland und wie ich  den anregenden Diskussionen im Anschluss an meinen Vortrag entnehmen konnte, sicherlich auch ein lohnenswertes Vorhaben.
    Die Präsentation meines Festvortrags findet sich hier.

  • Erziehung und Bildung philosophisch betrachtet

    Das mittlerweile 11. Forum Erziehungsphilosophie stand am Wochenende an, ein informelles Netzwerk aus Menschen, die sich mit Bildungstheorie und Erziehungsphilosophie beschäftigen. Da ich mit solchen offenen Veranstaltungen bereits gute Erfahrung gemacht habe (siehe z.B. hier), ließ ich mich auch nicht von dem exotisch klingenden Ort Kloster Dondorf abschrecken und machte mich auf ins schöne Thüringen.
    Dort ging es in die philosophischen (Un-)Tiefen von Bildung und Erziehung, für mich als bislang eher praktisch arbeitenden und denkenden Forscher ein nicht ganz einfaches Unterfangen. Gelernt habe ich dann, wie man grundsätzliche (zum Teil sehr grundsätzliche) Fragen zu vermeintlich in Stein gemeißelten „Wahrheiten“ stellen kann.
    Mein Thema „bildungstheoretische Einordnung“ von Open Educational Resources (OER) wurde ausgiebig diskutiert, so dass ich viele Anregungen mitnehmen konnte.
    Hier meine Präsentation

    Offenheit in der Erwachsenenbildung: Wiederbelebung eines totgeglaubten Konzepts?![slideshare id=13602407&w=427&h=356&sc=no]

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  • Bildungspfennig oder Kulturflatrate? Was ist uns Bildung wert?

    Gegenwärtig wird (wieder einmal) viel über den Wert von Bildung in unserer sog. Wissensgesellschaft diskutiert. So kann sich z.B. der DFG-Präsident Kleiner einen Bildungspfennig (neudeutsch Wissens-Cent (?) und in Anlehnung an den „altdeutschen“ Kohlepfennig), also eine Art Bildungs-Soli vorstellen. Der Lehrer Peter Georg (sowohl Gema- als auch Piratenparteimitglied [sic]) fordert in der FAZ  eine unbürokratische Kulturflatrate.
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    Vor dem Hintergrund der seit dem späten 18. und frühen 19. Jahrhundert gängigen Bildungspolitik sind diese beiden Vorschläge konsequent: Staatlicher Eingriff auf und Regulierung von Bürgern und von Bildung. Aus bildungswissenschaftlicher Perspektive wird damit jedoch ein Widerspruch impliziert, denn Bildung ist qua definitionem eine individuelle und damit nicht von außen steuerbare Aktivität. Somit ist eine allgemein verordnete Abgabe ungerecht, denn damit kann kein verbindlicher Anspruch auf Bildung und die damit (erhofften) Vorteile abgeleitet werden. Es obliegt vielmehr dem Individuum selbst, wie sie/er Bildung gestaltet, d.h. es gibt keine „Erfolgsgarantie“, denn Bildungsprozesse sind prinzipiell nicht organisierbar. Was dagegen organisierbar wäre, ist die Verfügbarkeit von Materialien, kulturellen Ressourcen und Informationen, die Bildungsprozesse anregen. Hier bieten sich mit den offenen digitalen Bildungsressourcen (OER) viel versprechende Möglichkeiten. Wie ich hier und hier versucht habe aufzuzeigen, bereichern sich OER und Bildung in mehrfacher Weise. So können beispielsweise OER in gewisser Weise verstanden werden als die digitale Repräsentation unser Welt, die wir für Bildungsprozesse auf vielfältige Weise ver- und bearbeiten oder wie Humboldt in seinem berühmten und sperrigen Zitat aus seiner „Theorie der Bildung des Menschen“ feststellte:

    „Die letzte Aufgabe unsres Daseins, dem Begriff der Menschheit in unserer Person, sowohl während der Zeit unsres Lebens, als auch noch über dasselbe hinaus, durch die Spuren des lebendigen Wirkens, die wir zurücklassen, einen so großen Inhalt, als möglich, zu verschaffen, diese Aufgabe löst sich allein durch die Verknüpfung unsres Ichs mit der Welt zu der allgemeinsten, regesten und freiesten Wechselwirkung.„

    Die Chancen, die sich mit OER nun bieten sind enorm, gerade weil jeder einzelne davon betroffen ist. Auch ohne staatliche Unterstützung kann damit eine Bildungslandschaft entstehen, die den Namen Wissensgesellschaft zu Recht trägt und die sich der Bedeutung des freien und offenen Zugangs zu kulturellen Ressourcen bewusst ist.
  • Beitrag aus dem Handbuch E-Learning zu Open Education

    Gerade ist meine Artikel zum Thema offene Bildung im Handbuch E-Learning, als sog. 42. Ergänzungslieferung erschienen.
    Darum geht es:

    Kein Zweifel, das Internet verändert Lernen und Bildung auf radikale Weise. Wer wissen möchte, wie das neue Smartphone repariert werden kann, sucht sich einen Video-Clip auf YouTube. Wer bei »Wer wird Millionär « mitraten möchte, sich aber nicht ganz sicher ist, schaut nebenher schnell bei Wikipedia nach, ob Dirk Nowitzki tatsächlich der erste Mannschaftssportler ist, der zum Sportler des Jahres gekürt wurde. Durch die sprunghafte Verbreitung frei zugänglicher Materialien in Form von sog. Open Educational Resources (OER; siehe Beitrag 7.15 von EBNER und SCHÖN in dieser Reihe) mit Hilfe neuer Technologien eröffnen sich vielfältige, innovative Möglichkeiten des Lehrens und Lernens. Hierbei geht es in erster Linie um die Öffnung von Zugängen zu Informationen (Open Access) und das Überwinden von Grenzen beim Lernen (Open Education). Dabei bekommen ältere Kritiken, die an dem dominanten Lehrund Ausbildungsmodell ansetzen, frischen Wind. Eine solche wurde von WEDEMEYER zu Beginn der 1980er Jahre formuliert, als er bemerkte, »(…) more teaching and learning go on – throughout life – outside the classroomthan in; yet the myth persists«.
    Vor diesem Hintergrund lotet dieser Beitrag die neu geschaffenen Möglichkeiten aus. Anhand ausgewählter Fallstudien wie dem OpenLearn- Projekt der Open University UK wird aufgezeigt, welche Veränderungen des Lernens dabei entstehen. In einem weiteren Schritt werden dann mit den Open Online Courses emergente Praxisprojekte präsentiert und die dabei aufgeworfenen Fragen aus Sicht der Mediendidaktik und der Bildungstheorie diskutiert. Open Courses werden in Deutschland bisher eher spärlich eingesetzt, z. B. für den Hochschulbereich »opco12« (Universität Frankfurt am Main), erfreuen sich aber erstaunlicher Popularität. Insofern erscheint eine Auseinandersetzung mit den Lern- und Bildungsmöglichkeiten dringend geboten, die jenseits von Fantasien einer eher nüchternen Bestandsaufnahme verpflichtet ist. Diese Übersicht mündet in mehreren Szenarien, die aufzeigen, wie E-Learning-Anbieter alternative Lernformen jenseits der klassischen WBT oder Learning-Management-Systeme fördern können.

     
     
    Bitte die folgende Zitation benutzen:
    Deimann, Markus: Open Education: Offene Bildung und offenes Lernen ­– mehr als nur eine Alternative für E-Learning, in: Hohenstein, A./Wilbers, K. (Hrsg.): Handbuch E-Learning. Expertenwissen aus Wissenschaft und Praxis, Köln 2012, 42. Erg.-Lfg., Juni 2012, Beitrag 7.22.
    Viel Spaß beim Lesen, Rückmeldungen bitte über die Kommentarfunktion.
    Hier gibt es dazu das PDF:
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