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  • MOOCs und Open Education Week

    Zwei Veranstaltungen im März zum Thema MOOCs und Open Education, die ich kurz erwähnen möchte:
    Im Rahmen der Open Education Week 2014, veranstaltet vom OpenCourseWare Consortium, um weltweit Projekte, Initiativen und Entwicklungen rund um Open Education zu präsentieren, stellten Anja Wagner und ich unsere Open Education Reihe auf ununi.tv vor.
    [vimeo 89011909 w=500 h=329]
    Wenige Tage später war ich dann bei der CeBIT bei der Podiumsdiskussion „Future Talks“ zum Thema „MOOCs – Hype or Hope“.  Es ergab sich eine kurzweilige, spannende Debatte und das obwohl wir auf englisch diskutieren mussten (oder war es gerade deswegen?). Ich vertrat dabei die These, dass MOOCs ein komplett neues Phänomen sind und dass es gefährlich ist, sie in eine Traditionslinie (z.B. der Fernlehre oder des E-Learning) zu stecken. Man wird durch eine solche Lesart blind und tut Entwicklung als „alten Wein in neuen Schläuchen“ ab.

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    Das Podium beim Future Talks „MOOCs Hype or Hope“ (Foto: Anne Fuhrmann)

     

  • Digitale Bildung – was war und wo kann es hingehen?

    In der letzten Woche war ich für zwei Vorträge eingeladen, um über das Thema MOOCs und digitale Bildung zu sprechen.
    Für die Ringvorlesung „Medienkulturen – Medientheorien – Medienpädagogik“  nahm ich die implizite und explizite Dramaturgie von MOOCs genauer unter die Lupe:

    „Massive Open Online Courses (MOOCs) sind mit solcher Wucht auf die Bildungslandschaft eingeschlagen, dass kaum jemand daran vorbei kommt. Gerade auch die Massenmedien berichten in zunehmenden Ausmaß über die MOOCs, so dass viele neue Aktuere angezogen werden. Die Botschaft ist ja auch so einfach und überzeugend: Kostenfreie, hochwertige Bildung für alle ohne Zugangsbeschränkungen. Das klingt doch nachgerade wie die Verwirklichung eines humanistischen Traums. Ohne viel Aufwand kann nun jedermann und jedefrau sich online die Vorlesungen berühmter ProfessorInnen anschauen, bequem den Wissenszuwachs überprüfen und bekommt am Ende auch noch ein Zertifikat dafür. Klingt alles sehr überzeugend, oder? Der Vortrag wirft vor diesem Hintergrund einen Blick hinter die Kulissen und versucht die implizite Dramaturgie zu entschlüsseln. Dabei geht es dann um moralische/bildungsphilosophische Implikationen und die Frage der Chancengleichheit.“

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    Neben der Gegenüberstellung von x- und cMOOCs und den damit verbundenen Ansprüchen, ging es mir darum aufzuzeigen, dass:

    • xMOOCs getreu dem Motto „the medium is the message“ Bildungspraxis auf eine ganz bestimmte Art vor-formattieren, die im krassen Gegensatz zur Idee der cMOOCs „Web als offener digitaler Kulturraum“ steht
    • MOOCs sich immer wieder neu „erfinden“ können und keineswegs immer von der Coursera/Udacity/Iversity-Stange kommen müssen, wie der MOOC der Universität Hildesheim zeigt.
    • MOOCs zunehmend zum Gegenstand politischer und ökonomischer Verteilungskämpfe werden. Damit verbunden ist die Gefahr, dass Bildungskonzepte zu sehr nach dem engen xMOOC Narrativ angelehnt und andere Formen digitaler Bildung vernachlässigt werden

    In der anschließenden Diskussion wurde mir klar, dass meine zum Teil polemisch ausgerichtete Kritik der xMOOCs („Aufstieg und Fall einer Bildungsutopie), dargestellt an der Person Sebastian Thrun den Blick auf Ungleichheiten und Schwachstellen der alternativen Konzepte (cMOOCs) verstellt.

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    Zwei Tage später durfte ich dann den Festvortrag zur Feier „Ein Jahr Regionalzentrum Karlsruhe“ halten.

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    Hier ging es mir um das „Bigger Picutre“ des Zusammenspiels von Technik und Bildung. Dazu behandelte ich zwei Ebenen:

    1. evolutionäre Entwicklung von Technologien, die sich als kontinuierlich, dem Fortschritts-Mantra „besser & schneller“ folgend beschreiben lässt
    2. Auftreten und Verschwinden der Argumentationsfigur „Befreiung der Bildung durch Technologien“, die sich als diskontinuierlich, mit Brüchen und Wiederaufnahmen beschreiben lässt.

  • Zu Gast beim Info-Radio RBB: Gute Vorsätze einhalten – Sache der Motivation?

    Das Neue Jahr ist noch keine zwei Tage alt, Zeit also noch sich seiner Vorsätze zu besinnen. Doch wie formuliere ich Vorsätze überhaupt so, dass ich im März/April nicht (wieder) frustriert feststelle, dass das doch nicht so geklappt hat?
    Dazu gab ich dem Info-Radio RBB ein kurzes Interview, das hier nachgelesen und nachgehört werden kann.

  • MOOCs in Deutschland – (endlich) angekommen?

    Am Ende eines Jahres, das durchzogen war vom Ankommen und Ausbreiten des MOOC-Hypes, veranstaltete die zentrale E-Learning Einrichtung der Universität Frankfurt ein Fachforum, gefolgt von einem Barcamp (in Kooperation mit der MOOC-Beratung). Eine wie ich finde wichtige Veranstaltung, um die verschiedenen Diskussionen zu bündeln und einen aktuellen Stand zu erarbeiten: Wo stehen wir in Deutschland Ende 2013 mit den MOOCS?
    Während in den USA von verschiedenen Medien (NY Times, Forbes) bereits ein Abgesang auf MOOCs stattfindet – nicht zuletzt angetrieben durch die Selbstbekenntnis von Sebastian Thrun „We have a lousy product“ – ist man in Deutschland noch in der Euphoriephase. Allerdings machte bereits der Eröffnungsvortrag von Jörn Loviscach deutlich, dass viele der großen Versprechungen (kostengünstige, qualitativ hochwertige Bildung für alle, besonders für weniger privilegierte Personen) sich nicht so recht erfüllen lassen. Schuld daran ist der sog. Matthäus-Effekt („Dem der hat, wird gegeben“), d.h. erfolgreiche Teilnahme im MOOC ist an Bedingungen und Voraussetzungen geknüpft und zwar an solche, die viele aus der Zielgruppe gar nicht haben. Ich habe diesen Punkt am Ende der Tagung nochmals aufgegriffen und mit Bourdieu theoretisch unterfüttert und hier weiter ausgeführt.
    Die Botschaft, dass MOOCs, die „einfach“ so aufgesetzt werden und dann an ein massenhaftes Publikum verteilt werden, im Sinne der klassischen One-To-Many Kommunikation, voraussetzungslos funktionieren, scheint nun angekommen zu sein. Daher ist es erfreulich zu sehen, dass Universitäten wie die Uni Mainz sich an eine Digitalisierungsstrategie machen, die neben Vorlesungsaufzeichnungen auch eine Reihe von MOOCs enthält. Denn nur dann, wenn MOOCs von Hochschulleitungen ernst genommen werden, besteht die Chance, dass sie in digitale Bildungsformen überführt werden.
    Genau das war dann Schwerpunkt der Vorträge vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und vom CHE, die ein Forum für die Digitalisierung der Hochschulbildung ankündigten (Start 2014). Das ist schon mal ein wichtiger Schritt, da er Druck aufbaut, sich mit dem Thema auf einer strategischen Ebene auseinanderzusetzen. Auf der anderen Seite sind mit der „Top-Down-Verordnung Digitalisierung der Hochschulbildung“ auch Gefahren verbunden. So z.B. dass man zu sehr auf bestimmte Schwerpunktthemen (Big Data, Learner Analytics) setzt und dabei den Blick auf „hybride Entwicklungen“ verliert. So kamen dann im Vortrag des CHE einige Ed-Tech Lösungen vor, z.B. Degreed die mit einer eigenen (Silicon Valley) Logik operieren. Noch ist unklar, inwieweit solche Anwendungen auf die notwendige Medienkompetenz der BenutzerInnen treffen, denn nur dann, machen diese „Lösungen“ Sinn.
    Insgesamt machte das Fachforum deutlich, dass MOOCs ein sehr vielschichtiges Phänomen sind, das sich lohnt, von verschiedenen Perspektiven (Ökonomie, Soziologie, Bildungstheorie) genauer zu betrachten. MOOCs werden sich in Zukunft deutlich weiter ausdifferenzieren (mehr als nur c und xMOOCs). Hochschulen sind aufgerufen, sich damit zu befassen, auch um dem Techno-Optimismus (Morozov lässt grüßen) ein Gegengewicht (akademische Tradition) zu bieten.
    Update
    Mittlerweile ist die Aufzeichnung meines Vortrags „The Dark Side of the MOOC“ online verfügbar.
    [youtube http://www.youtube.com/watch?v=Gk2FRlm6B10?list=PLwva6nw1BGw3tsVoyCI2NtT9VIKFh1nKB&w=560&h=315]
     
     

  • The dark side of the MOOC

    The dark side of the MOOC – Eine Hochschule für alle?
    so lautet der Titel meines Vortrags, den ich gestern bei der DAAD-Leitertagung (Leiterinnen und Leiter der Akademischen Auslandsämter und Auslandsbeauftragten der deutschen Hochschulen) in Bonn gehalten habe. Es ging dabei um „Hochschule 2.0: Die Internationalisierung der deutschen Hochschulen im Zeichen virtueller Lehr- und Lernszenarien“. Ich habe den Vortrag anhand von zwei Thesen aufgebaut.

    These I: Hinter dem gegenwärtigen Hype um Massive Open Online Courses (MOOCs) liegt eine tiefsitzende Unsicherheit im Umgang mit den Herausforderungen der Digitalisierung des Bildungssystems.

    Die Unsicherheit wird ausgelöst durch das Narrativ „Education is broken“, d.h. die Annahme, Hochschulen sind nicht länger in der Lage, Menschen angemessen auf die Herausforderungen und Bedingungen des flexiblen, globalisierten Arbeitsmarkts vorzubereiten. Die Universität entstammt einer anderen kulturellen Epoche, die nur noch wenig mit der heutigen Zeit gemein hat. Dank beständig anhaltender technischer Innovationen können wir Lehre und Lernen viel besser, da effizienter, interaktiver und kollaborativer machen. Wir brauchen dazu „nur“ neue Lehr/Lermethoden („Lernen 2.0“). Für mich ergibt sich dabei eher der Eindruck, dass die Bildung(swissenschaft) zur Erfüllungsgehilfin degradiert wird, die wie die Scheibe Käse/Schinken auf einem Brötchen eingedrückt wird durch die Trends Anforderungen des Arbeitsmarkts und digitale Technologien.
    Deutlich wird dies am gegenwärtigen MOOC Hype, der wie Phönix aus der Asche über uns zu kommen scheint. Tsunami, Lawine und ähnliche Metaphern werden gebraucht, um die überwältigende, revolutionäre Kraft dieser Innovation zu verdeutlichen. Mit der Öffnung von regulären Uni-Kursen wurde ProfessorInnen auf einmal bewusst, dass sie weit mehr Menschen erreichen können, als regulär zugelassen werden. Das ist so nicht länger hinzunehmen, die Hochschulen haben versagt und so warf Sebastian Thrun demonstrativ das Handtuch und gründete das Start-up Udacity. Andere taten es ihm gleich und so entstand ein globaler MOOC-Markt. Auch die Bildungspolitik mischt sich kräftig ein, versprechen MOOCs gleich mehrere Lösungen für lange aufgeschobenen Probleme (überfüllte Hörsäle, geringe Mobilität der Studierenden).

    These 2: MOOCs und Open Education wirken sowohl befreiend als auch unterdrückend/ausgrenzend.

    Nun sind MOOCs keineswegs nur „Murks“, wie auch kürzlich in einem Streitgespräch mit dem Iversity Mitgründer Hannes Klöpper klarmachte. Man sollte jedoch genauer hinschauen, ob die Argumentation „MOOCs als wirksames Mittel, kostengünstig, hochwertige Bildung für alle zugänglich zu machen“ so einfach funktioniert. Ich denke, sie ist an Bedingungen geknüpft, was die Voraussetzungen der Lernenden betrifft. In einer vor mehr als vierzig Jahren durchgeführten, großangelegten Studien fanden Bourdieu & Passeron heraus, dass Hochschulbildung ein bestimmtes kulturelles Kapital voraussetzen. Die Autoren forschten damals zur Zeit der Bildungsexpansion als viele neue (Reform-)Hochschulen gegründet wurden, verbunden mit dem Ziel, auch Arbeiterkindern Zugang zur Universität zu verschaffen. Der Erfolg an der Hochschule, so konnten Bourdieu und Passeron zeigen, ist jedoch an Bedingungen geknüpft, die mit der Zeit vor der Hochschule zusammenhängen: Je nachdem in welchem kulturellen und sozialen Milieu man aufwächst. Chancengleichheit wird damit zur Illusion.
    Für MOOCs trifft das ebenfalls zu, gerade dann, wenn Sie, wie in den USA der Fall, den Geist elitärer Hochschulen atmen. MOOCs sind dann das digitale Äquivalent zu Seminaren und Vorlesungen an renommierten Hochschulen, die einen ganz eigenen Habitus voraussetzen.
    Als Beleg für diese These lässt sich das Debakel mit der Einführung von MOOCs an der San Jose State University (SJSU) heranführen. SJSU ist eine Universität mit sehr vielen Studierenden unterschiedlicher ethnischer Herkunft. Um ihre Kompetenzen für ein wissenschaftliches Studium zu erhöhen, pilotierte die SJSU zusammen mit Udacity einen Mathematik MOOC. Die Ergebnisse zweier Evaluationen waren ernüchternd bzw. gerade noch zufriedenstellend. Die Ironie an der Geschichte ist, dass Udacity CEO Sebastian Thrun den Studierenden die Schuld dafür in die Schuhe schob und dabei wohl vergaß, dass das Experiment überhaupt erst deswegen und von der Politik vehement gefordert, gestartet wurde. Der Versuch wurde schließlich eingestellt.
    Wichtig ist es daher, sich mögliche Ausgrenzungen bewusst zu machen, die durch einseitige Lehrpraktiken entstehen können. Soziale Inklusion ist an Bedingungen geknüpft, d.h. mit einem MOOC lassen sich nicht immer „Massen“ erreichen, sondern eine klar definierte Zielgruppe, die dann von den eingesetzten Methoden auch profitieren kann. Mit dem MOOC „Entdecke die Insel der Forschung“ haben wir in diesem Sommer an der FernUniversität in Hagen versucht, in dieser Weise vorzugehen. Angesprochen waren, alle die Schwierigkeiten mit dem Thema „wissenschaftliches Arbeiten“ haben. Neben der Bereitschaft, sich auf Offenheit (cMOOC) einzulassen, war es auch das Format, mit konkreten, forschungsbezogenen Aufgaben zu arbeiten, das den Mehrwert des MOOCs ausmachte.
    Zusammenfassend bleibt damit die Forderung, MOOCs nicht zu einseitig, als revolutionäre Lösung vieler Probleme zu verkaufen, sondern als Bildungsexperiment, das an bestimmte Voraussetzungen gekoppelt ist, die genauer in den Blick genommen werden müssen.
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