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  • Monatsnotiz August

    Monatsnotiz August

    Der Sommer kam und er kam heftig nach Berlin. Das machte das Arbeiten an den ohnehin heißen Themen der Digitalisierung von Bildung noch anspruchsvoller :=)

    Dank Corona-bedingter Flexibilität konnte ich einige Tage im kühleren Home Office verbringen und mich weiter mit der Corona Begleitforschung beschäftigen (siehe dazu den #Coronabegleitforschung bei Twitter). Ich führte weiter Interviews mit Expert*innen und machte mich daran, es in Form eines Zwischenberichts zu bringen.

    Es standen einige Vorträge und Workshops an und ich habe mir dazu einen neuen Blog vortrag.drdeimann.de eingerichtet. Hier dokumentiere ich meine Vorbereitungen und stelle meistens auch ein Vortrags-Manuskript online. Feedback und Kommentare dazu sind gerne erwünscht.

    Meine digitale Ausstattung habe ich weiter erweitert und mir ein iPad Pro mit Stift angeschafft und organisiere damit meinen Workflow neu. Experimentiert habe ich auch mit Obsidian, einem Markdown-basierten Wissensmanagement-System. Damit lassen sich Artikel und Tagesnotizen erstellen, die das System bei Bedarf grafisch aufbereiten und im Hinblick auf Backlinks auswerten kann.

    Einen sehr kurzen Urlaub an der Ostsee, inklusive Besuch im Museum in Peenemünde gab es auch.

  • Monatsnotiz Juli

    Monatsnotiz Juli

    Der Sommer ist in Berlin noch nicht so richtig aufgetaucht und so lässt es sich bei noch nicht tropischen Temperaturen ganz gut aushalten. Zu berichten gibt es diesen Monat folgende Themen.

    Corona-Begleitforschung

    Wie wirkt sich die COVID-19 Pandemie auf die Hochschullehre aus und welche Effekte hat das auf die Digitalisierung? Dazu habe ich mehrere Expert*innen-Interviews mit Menschen aus E-Learning-Landeseinrichtungen und Hochschulverbünden geführt. Weitere Gespräche finden noch bis in den September statt. Parallel beginne ich mit der Auswertung – Interviews und Desk-Research – und versuche das in einen vorläufigen Bericht zu überführen. Für das HFD University Future Festival im Oktober habe ich eine Session eingereicht und freue mich, die Studie der Öffentlichkeit vorstellen zu können.

    Finalisierung Beitrag für den HFD-Sammelband

    Für meinen Beitrag bekam ich Feedback von zwei Gutachter*innen (Danke für die wertvollen Hinweise) und habe ihn nochmals überarbeitet und den formalen Vorgaben angepasst. Eine kommentierbare Version findet sich hier. Es geht nun in das Lektorat.

    Book-Sprint in Bayern

    Ein schönes Projekt ist die Evaluation eines Blended-Learning-Kurses im Bereich frühkindlicher Bildung, für das ich mit mit einem kleinen Team in der Oberpfalz zu einem Book-Sprint getroffen habe. In 2,5 intensiven Tagen haben wir die Gliederung abgestimmt, Kapitel zugewiesen und in Break-Out-Sessions erste Texte geschrieben. Bis Ende September soll der Bericht dann vorliegen.

    Podcast

    Mit Christian habe ich ein neues Feierabend-Bier produziert und darin u.a. einen sehr lesenswerten Artikel zur immer wiederkehrenden Techno-Panik und der damit verbundenen Sisyphos-Arbeit besprochen. Viele, die sich mit Innovationen in der Bildung beschäftigen, dürften die Phasen bereits erlebt haben. Vielleicht trägt die Arbeit dazu bei, etwas mehr Gelassenheit zu entwickeln…

  • Monatsnotiz Mai und Juni

    Monatsnotiz Mai und Juni

    Mal wieder eine Doppelnotiz.

    Mich hat in diesen beiden Monaten mein Umzug von Lübeck nach Berlin bewegt. Nach vier Jahren habe ich die Hansestadt verlassen und wohne nun am Arbeitsort. Damit fallen lange Pendelwege nach Hagen weg und ich kann mich voll und ganz auf das Leben in der Hauptstadt fokussieren.

    Bei meinem neuen Arbeitgeber VDI/VDE-IT bin ich in vielfältige spannende Projekte eingestiegen. Durch COVID-19 ist der Bedarf an Beratung für das Digitale gestiegen. Ich verfolge weiter intensiv die Entwicklungen. Aufgefallen ist mir dabei der folgende Bericht:

    Are Universities Going the Way of CDs and Cable TV? (Atlantic, 22.06.2020) Es geht dabei u.a. um die Frage, ob Studierende noch bereit sind hohe Summe für ihre Bildung auszugeben, wenn es online statt in Präsenz distribuiert wird. Wenn nun das digitale Angebot so herausragend wird, kann dann die Präsenzlehre da überhaupt noch mithalten? Diese Fragen stamme aus dem US-Kontext und sind darum nur mit Einschränkungen auf Deutschland übertragbar. Aber ich glaube, dass sie uns in Zukunft noch in der einen oder anderen Form begegnen werden.

    Für das MERTON-Magazin habe ich eine neue Kolumne geschrieben und habe mir Gedanken zur neuen Normalität der Hochschulen gemacht. Wie mit dem Offenen Brief für die Verteidigung der Präsenzlehre deutlich wurde, gibt es weiterhin eine tiefe Kluft / digitalen Divide zwischen Pro und Contra der Digitalisierung. Warum die Fronten so verhärtet sind, liegt meiner Meinung nach am bisherigen Diskurs. Spätestens seit dem Aufkommen der Massive Open Online Courses hat digitales Lernen und Lehren eine strategische Bedeutung für die Hochschulen bekommen. Dadurch ging der spielerische Charakter, der noch die frühere E-Learning-Phase charakterisiert hat, verloren. Nun ist es viel ernsthafter und es gibt auf einmal militärisch klingende Jobs wie den Chief Digital Officer.

    Diese strategische Top-Down-Rahmung scheint für viele Lehrende abschreckend zu sein, so dass sie sich zur vehementen Verteidigung der Präsenz herausgefordert sehen, obwohl dies bei Lichte betrachtet überhaupt nicht zur Disposition steht. Durch COVID-19 wird nun klar, dass die vielen Landes- und Hochschulstrategien überarbeitet werden müssen, will man nicht das Rückgrat der Lehre verlieren. Wenn man es schafft, eine kritische Maßnahme in die Entwicklung der Strategien einzubeziehen, könnte das ein Schritt nach vorne sein.

    Soviel ausschnittsweise zu den Themen, die mich während der letzten Monate bei meiner Arbeit bewegt haben.

  • Digitale Bildung im Zusammenhang mit COVID-19

    Digitale Bildung im Zusammenhang mit COVID-19

    Einige Gedanken und Thesen.

    Einleitung und Einordnung

    Die COVID-19-Pandemie ist ein Stresstest für die Digitalisierung der Hochschulen und der Hochschulbildung. Dadurch werden Probleme und Herausforderungen deutlich, aber auch die bisherigen Leistungen der digitalen Transformation.

    Die Reaktionen der Hochschulen auf die Corona-Krise lassen sich in drei aufeinander folgende Phasen einordnen (UNESCO 2020):

    1. Notfall-Programme zur Aufrechterhaltung und Fortführung des Präsenzbetriebs durch „remote / Online Learning“ Angebote. Hier wird die Lehre virtualisiert, d.h. die standardisierten Lehr- und Lernformen (inklusive Prüfungen) werden mit digitalen Werkzeugen und Technologien nachgebaut. Lernmaterialen müssen nicht neu erstellt werden, sondern können durch offene Ressourcen (OER) ergänzt und erweitert werden. In bestimmten Fällen können sogar ganze Kurse in Form von Massive Open Online Courses (MOOCs) eingesetzt werden. Allerdings sind OER und MOOCs bisher nur in begrenztem Umfang in deutscher Sprache erhältlich.

    Wie im Zusammenhang mit dem MOOC-Hype vor fast zehn Jahren bereits deutlich wurde, sind mit diesem Format eine Reihe von bisher ungelösten Problemen (z.B. fehlende Möglichkeiten zur kulturellen und didaktischen Adaption der Kurse) verbunden. Auch ist in dieser Phase durch ihren Notfallcharakter eine hohe Affinität für „technologische Lösungen“ gegeben, d.h. Technologien werden vorschnell, ohne ausreichende Prüfung auf pädagogische Eignung eingesetzt.

    • The New Normal: Nach der Sicherstellung des Betriebs werden neue Maßnahmen und Angebote ergriffen, angepasst an die aktuelle Situation. Allerdings profitieren davon nicht alle Lernendengruppen gleichermaßen und die bestehenden Ungleichheiten können weiter verstärkt werden. Darum ist eine kontinuierliche Evaluation im Hinblick auf die Wirksamkeit und eventuell ausgrenzende Effekte der eingesetzten neuen Bildungstechnologien wichtig: „To date, most online learning approaches do not have comparable, evidence-based foundations or focus on the socioemotional skills delivered via traditional campus-based learning“ (Bassett 2020:7). Mit systematisch erhobenen empirischen Daten lassen sich Maßnahmen identifizieren zur Förderung einer inklusiven Hochschulbildung.
    • Building for the Future: neue strategische Ansätze für digitale Hochschulbildung werden entwickelt und implementiert und es kommt zur Transformation des Denkens und Sprechens über Hochschulbildung. Nach den vielfältigen Erfahrungen mit Notfallprogrammen und der danach einsetzenden Normalisierung lassen sich die Herausforderungen, die mit der digitalen Transformation einhergehen reflektierter und umsichtiger in den Blick nehmen. So lassen sich beispielsweise Bildungstechnologien abgestimmt auf die Bedarfe der Lernenden und Lehrenden und didaktisch begründet in Lehr- und Lernkontexte einsetzen, so dass sowohl Fach- als auch digitale Kompetenzen gefördert werden.

    Generell sind Förder- und Unterstützungsmaßnahmen je nach Phase unterschiedlich wirkungsvoll und nachhaltig. Es ist darum zu empfehlen, vorab zu bestimmen (z.B. durch Interviews mit verschiedenen Stakeholdern), in welcher Phase sich eine Hochschule oder andere Akteure gerade befinden. Danach lassen sich spezifische Maßnahmen entwickeln.  

    Herausforderungen

    Obwohl die COVID-19-Pandemie alle Hochschulen gleichermaßen getroffen hat, sind die jeweiligen Herausforderungen verschieden. Entsprechend sollten Unterstützungs-/Fördermaßnahmen diese Besonderheiten in den Blick nehmen.

    Die COVID-19-Pandemie eignet sich nur bedingt als Treiber für strukturelle Veränderungen. Die rasche und bedingungslose Umstellung auf digitale Lehre – „Zwangsdigitalisierung“ – ist mit Gefühlen der Überforderung und Frustration, bzw. sogar mit Trauma verbunden (Davidson 2020).

    Auch wird nun deutlich, dass die digitale Transformation bisher ausschließlich in den Kategorien der Hochschule, wie sie sich seit den 1960er-Jahren in Deutschland (und weltweit) herausgebildet hat, gedacht wurde. Eine „Brick-and-Mortar“-Institution, innerhalb derer die meiste Lehre durch persönliche Kontakte durchgeführt wird. Darauf gründet sich das Lernerlebnis, das mit der Hochschule verbunden wird.

    Es zeigt sich nun besonders, dass die Nutzung und Integration neuer Technologien für Bildungszwecke im Vergleich mit der Nutzung im Alltag bzw. in der Wirtschaft und Industrie hinterherhinkt (Kerres 2020).

    • Die Gründe dafür wurden bisher kaum umfassend reflektiert. Es wird hauptsächlich auf fehlende digitale Kompetenzen der Lehrenden und fehlende technische Infrastruktur zurückgeführt. Darüber hinaus liegt es aber auch an der mangelnden didaktischen Qualität der Bildungstechnologien. Die Entwicklung wird von einem Computational Thinking getrieben und weniger von einem Pedagogical Thinking. EdTech folgt einer Marktlogik und weniger einem pädagogischen Denken (DeRosa 2020).
    • Konzepte digitaler Lehre orientieren sich noch stark am Modell der klassischen analogen Hochschullehre (z.B. Flipped Classroom, MOOCs). Zudem haben fast alle Hochschulen im Zuge der COVID-19-Pandemie ihre Lehre so digitalisiert, dass die didaktischen Formate weitgehend erhalten bleiben: „Ausgangspunkt und Grundlage für die eTeaching-Planung sollte Ihre Planung für die Lehrveranstaltung als Präsenzveranstaltung bleiben (…)“[1]. Das führt zu einer Reihe von Problemen (psychisch, ökonomisch), da das bisher gut aufeinander abgestimmte Verhältnis von analogen Medien und Lehr- und Lernformen durchbrochen wird. Digitale Medien bedingen ein anderes Lernen und Lehren.
    • Es wird deutlich, dass die Entwicklungen der digitalen Transformation in gesellschaftlichen Bereichen (Wirtschaft, Politik/Verwaltung, Bildung/Wissenschaft) mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten ablaufen, abhängig von den dahinterstehenden politischen und ökonomischen Interessen.
      • Im Bildungsbereich sind es oft kommerzielle Unternehmen, die neue technologische Möglichkeiten (z.B. Künstliche Intelligenz, Automatisierung, Vernetzung) anbieten und damit Verbesserungen für das Lernen versprechen. Innovationen werden von einer kleinen Gruppe vorangetrieben und laufen außerhalb des Einflussbereichs von gesellschaftlichen Gruppen.
      • Daraus lassen sich folgende Forderung ableiten. Bereits bei der Entwicklung und Konzeptionierung ist auf eine breitere gesellschaftliche Beteiligung zu achten. Möglichst viele, oft auch marginalisierte Gruppen sollte die Möglichkeit gegeben werden, Einfluss zu nehmen. Vor der Implementierung neuer Technologien im Bildungskontext sollte ein „pädagogischer Audit“ – in Anlehnung an die aus dem anglo-amerikanischen Bereich bekannten Verfahren zur Sicherstellung der Zugänglichkeit und Barrierefreiheit – vorgenommen werden, um sicher zu stellen, dass niemand durch den verpflichtenden Einsatz einen Nachteil erfährt. Es sollte eine Wahlmöglichkeit von Bildungstechnologien geben, je nach pädagogischem Kontext oder anderen Kriterien. Zu denken wäre weiterhin auch an Fördermaßnahmen für die gemeinsame, hochschulübergreifende Entwicklung von Bildungstechnologien, die ausgehen von klar definierten Herausforderungen der Hochschullehre / Hochschuldidaktik.
      • Durch die Vielfalt an Rahmenbedingungen und pädagogischen Kontexten wird die Vergleichbarkeit digitaler Bildung erschwert. Es sollte nicht so sehr darum gehen, so viel wie möglich digitale Werkzeuge einzusetzen, sondern den Einsatz durch ein pädagogisches Denken zu begründen. Es braucht darum eine Haltung der Wertschätzung der Vielfalt digitaler Konzepte und weniger ein konkurrenzorientieres Benchmarking.
      • Die Forderung nach mehr finanzieller und programmatischer Investition in digitale Kompetenzen ist bislang hauptsächlich als Reaktion auf technologische Entwicklungen und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft und den Einzelnen zu verstehen. Dieser Logik sollte ein Ansatz entgegengestellt werden, der mehr auf Eigeninitiative, Emanzipation und Verantwortung (Agency) setzt, ausgehend von den Bedürfnissen des Lernenden, unterstützt durch Lehrende und eingerahmt durch die vielfältigen Anforderungen der digitalen Transformation. Ein wichtiger Aspekt dabei ist Resilienz (Widerstandsfähigkeit) im Umgang mit der Digitalisierung.   

    Empfehlungen

    Meta-Ebene: Narrative

    Digitale Bildung ist mehr als der umfangreiche Einsatz von (Bildungs-)Technologien und die nahtlose Verwendung von digitalen Plattformen und Services entlang von Lehr- und Lernprozessen (z.B. Informationssuche und –speicherung, Vermittlung von Inhalten, Diskussion mit anderen in Lerngruppen), sondern ist in erster Linie ein pädagogischer Prozess, der sich auf eine bestimmte Bildungs- und Technikphilosophie stützt – dazu gehört insbesondere ein reflektiertes Verständnis von Technologien und Daten (z.B. die Einsicht, dass beide nicht neutral sind, sondern von bestimmten Ideologien und Narrativen durchzogen). Die digitale Transformation wird darum nicht nur durch technologische Innovationen vorangetrieben, sondern auch durch soziale und pädagogische Innovationen.

    Positives Framing: Mit der digitalen Transformation nimmt die Vielfalt der Hochschulbildung zu

    Bislang wird die digitale Transformation oft im Zusammenhang mit Re-Aktion und Anpassung an externe Veränderung, Risiken oder Gefahren („Anschluss verlieren“; Datenschutz, Privatsphäre, Datensicherheit) diskutiert. Ohne die Bedeutung dieser Aspekte herunterzuspielen, braucht es jedoch auch eine positiv besetzte Vision, die von pädagogischen und demokratischen Werten getragen ist.

    Revitalisieren der Kompetenz zum Definieren von Bildungsproblemen

    Mit der zunehmenden Verbreitung von digitalen Infrastrukturen und Technologien nimmt auch die Verbreitung des Computational Thinking zu. Dadurch nehmen Bildungstechnologien für sich in Anspruch, Lösungen für Probleme anzubieten, die sie selbst definiert haben. Demgegenüber steht die Tradition von Hochschulen – begründet durch Humboldt – Bildung durch Wissenschaft zu fördern, d.h. durch die Sozialisation in den Wissenschaftsbetrieb.

    Etablieren eines pädagogischen / ethischen Denkens

    Hier geht es um grundlegende Fragen, z.B. was bedeutet Hochschulbildung im digitalen Zeitalter? Welchen Beitrag können Hochschulen dazu leisten?

    Weiterhin lässt sich hier an europäische Werte orientieren, allerdings ohne in einen Eurozentrismus zu verfallen.

    Meso- und Mikro-Ebene: Konkrete Maßnahmen

    Digitale Transformation der Hochschule

    Entwicklung von Instrumenten zur Analyse der Digital Readiness von Hochschulen. Im Unterschied zu einem expertengesteuerten Ansatz (Beispiel Peer-2-Peer-Beratung, Hochschulforum Digitalisierung), geht es hier um Selbstorganisation mit Beteiligung verschiedener Stakeholder, unterstützt durch intelligente Systeme und Technologien. Wichtige Dimensionen der Analyse sind u.a. die IT-Infrastruktur, die Verfügbarkeit von E-Learning-Serviceeinrichtungen, die pädagogisch / digitale Kompetenz (Digital Literacy) des Lehrpersonals und der Studierenden sowie das Angebot an Blended / Online Kursen.

    In diesem Prozess lässt sich das Selbstverständnis und die Erwartungshaltung (z.B. an zukünftige Studierende) klären, gemeinsam Maßnahmen für zukünftige Lehr- und Lernformate planen und das Commitment für die Umsetzung fördern.

    Fachspezifische digitale Bildung

    Es gibt eine historisch gewachsene Vielfalt an pädagogischen Ansätzen in den verschiedenen Fächern der Geistes- Sozial- und Naturwissenschaften. Es gibt somit unterschiedliche Bedarfe für den Einsatz digitaler Werkzeuge in der Lehre.

    Neues Wissen und neue Kompetenzen für die Hochschullehre

    Um die Auswirkungen der digitalen Transformation im Bereich der Hochschulen zu verstehen, braucht es neben technischem Wissen vor allem ein pädagogisches Denken, das die tiefere Dimension von Lehren und Lernen umfasst.

    Vor dem Hintergrund, dass die digitale Transformation immer tiefer in die Bildungsbereiche eindringt, ist sowohl Grundlagenwissen über technische Systeme (z.B. KI, Learning Analytics) sowie deren Auswirkungen auf gesellschaftliche Prozesse (z.B. Datafizierung) als auch pädagogisches Handlungswissen (z.B. didaktische Modelle) von Bedeutung.

    Von Interesse sind in diesem Zusammenhang Querschnittsdisziplinen wie Bildungsinformatik oder Medienpädagogik.

    Die Konzeption von neuen Kompetenzen sollte als partizipativer und kollaborativer Prozess durchgeführt werden, bei dem Fachdisziplinen, Statusgruppen und Hochschulleitungen einzubeziehen sind. So lässt sich eine einseitige Einflussnahme von bestimmten Akteuren verringern, wie etwa bei Data Literacy (Stifterverband)

    Mit der Einführung von neuen digitalen Kompetenzrahmen verbunden sind regelmäßige Analysen der Kompetenzentwicklungen bei Lehrenden, Studierenden und lebenslang Lernenden. Dazu eignen sich Selbst-Checks. Zu empfehlen sind auch verbindliche hochschulische Weiterbildungs- und Entwicklungsprogramme für Lehrende, mit denen bildungstechnologische und digital-didaktische Kompetenzen gefördert werden. Die bisherige Praxis mit einem hohem Maß an Freiwilligkeit reicht nicht mehr aus. Mit digitalen Zertifikaten (z.B. Badges) lassen sich Kompetenzen auf Plattformen sichtbar machen.

    Pädagogischer Audit von Bildungstechnologien

    Zur Vermeidung von Exklusionseffekten beim flächendeckenden Einsatz von Bildungstechnologien, ist zuvor ein pädagogischer Audit durchzuführen. Dazu werden relevante Stakeholder einbezogen, um zu prüfen, inwieweit die Bildungstechnologie zur Lehrphilosophie passt. Bereits eingeführte Systeme können auch nachträglich auditiert werden. Das Audit dient der Qualitätssicherung – was etwa im Zusammenhang mit OER immer wieder gefordert wird – und erweitert dies im Zusammenhang mit Bildungsgerechtigkeit und Inklusion.

    Neue Kooperationen und Praktiken

    Zur Förderung eines gemeinsamen Verständnisses von digitaler Bildung sind Kooperationen essentiell. Digitale Formate bieten hier sehr gute Umsetzungsmöglichkeiten. Zu denken ist beispielsweise an Digitale Barcamps oder Bildungs-Hackathons, die hochschulübergreifend durchgeführt werden können. Diese lassen sich curricular verankern und als Teil der Prüfungsleistung anrechnen.

    Literatur

    Bassett, Roberta Malee. 2020. „Sustaining the Values of Tertiary Education during the COVID-19 Crisis“. International Higher Education 102:5–7.

    Davidson, Cathy. 2020. „The Single Most Essential Requirement in Designing a Fall Online Course“. hastac. Abgerufen 15. Mai 2020 (https://www.hastac.org/blogs/cathy-davidson/2020/05/11/single-most-essential-requirement-designing-fall-online-course).

    DeRosa, Robin. 2020. „Values-Centered Instructional Planning“. Inside Higher ED. Abgerufen 15. Mai 2020 (https://www.insidehighered.com/digital-learning/views/2020/05/13/consistent-mission-aligned-instructional-framework-fall-and-beyond).

    Kerres, Michael. 2020. „Against All Odds: Education in Germany Coping with Covid-19“. Postdigital Science and Education.

    UNESCO. 2020. „COVID-19 Education Response Webinar Distance learning strategies. What do we know about effectiveness?“

    [1] https://t.co/7mDj9ONMHL

  • Monatsnotiz April

    Monatsnotiz April

    Beruflicher Wechsel

    Mitte des Monats habe ich meine Vertretungsprofessur an der FernUniversität beendet und bei der VDI |VDE | IT GmbH in Berlin angefangen. Für mich war ausschlaggebend, dass ich auch weiterhin im Bereich von Digitalisierung, Bildung und Hochschule arbeiten kann. Es ist ein breit gefächertes Tätigkeitsfeld, neben den klassischen Aufgaben eines Projektträgers – die Begleitung und Unterstützung des gesamten Förderprozesses – spielt Forschung eine wichtige Rolle, gerade in so einem dynamischen Feld wie der digitalen Transformation. Dabei geht es darum, die aktuellen Entwicklungen zu beobachten, zu analysieren und für politische Entscheidungstragende aufzubereiten. Aber auch eigene, selbst-initiierte Forschungsaktivitäten stehen auf dem Programm.

    Mit dem beruflichen Wechsel ist auch ein Wohnortwechsel von Lübeck nach Berlin verbunden. Eine spannende Stadt mit vielen interessanten Leuten – wie meinem Feierabendbier-Podcast Kompagnon Christian. Corona-bedingt ist der Start etwas „anders“, aber das wird sich noch einruckeln.

    Forschungsnetzwerk

    Durch einen Aufruf bei Twitter von Isabel Steinhardt hat sich ein kleines Netzwerk von Wissenschaftler*innen geformt mit dem Ziel, die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Lehre im Sommersemester 2020 zu dokumentieren und zu reflektieren. Hier zeigt sich, welche Energien freigelegt werden können, dadurch dass interessierte Menschen zu einer bestimmten Zeit sich mit Technologien vernetzen. Es ist ein anschauliches Beispiel für die Kultur der Digitalität als gegenseitige Beeinflussung von Mensch und Technik. Beruflich bedingt bin ich in die Lurker-Rolle gewechselt, bin aber sehr gespannt auf die weiteren Entwicklungen.

    Open-Peer-Review

    Viel Zeit habe ich in meinen Beitrag „Hochschulbildung und Digitalisierung – Entwicklungslinien und Trends für die 2020er Jahre“ für den Sammelband des Hochschulforum Digitalisierung investiert. Entgegen meiner ursprünglichen Intention, einen Ausblick auf die zukünftigen Trends zu geben, habe ich, aufgrund meines größer werdenden Unbehagens an dieser Ausrichtung, den Beitrag auf den Kopf gestellt. Nun widme ich weit mehr Platz der Vergangenheit und argumentiere, dass wir von ihr nicht nur über technische Erfolge und Misserfolge lernen können, sondern vor allem etwas von den tieferliegenden Geschichten erfahren können. Damit meine ich die Erzählungen darüber, wie Technik Lehren und Lernen beeinflusst, es besser und effizienter macht. Es sind keine wissenschaftlich fundierten Erzählungen, denn die Befunde zur Wirkung von E-Learning / Digitalisierung auf das Lernen sind wenig einheitlich und oft widersprüchlich. Vielmehr sind es Glaubensüberzeugungen oder Mythen, die sich tief in unserem Denken verankert haben und dadurch auch unsere Handlungen bestimmen. Diese Mythen sind, so versuche ich zu zeigen, erstaunlich zeitstabil und tauchen immer wieder und in unterschiedlichen Gewändern auf. Die historische Exkursion soll helfen, Gegenwart besser zu verstehen und für bestimmte Entwicklungen in der Zukunft zu sensibilisieren. Das diskutiere ich am Beispiel der Datafizierung von Bildung. Am Ende wage ich dann doch noch einen Blick in die Zukunft und nehme dafür die COVID-19 Pandemie als Hintergrundfolie.

    Kurz vor Ende der offiziellen Deadline habe ich meinen Beitrag über Twitter in ein Open-Peer-Review gegeben und danke allen sehr, die sich die Mühe gemacht haben, den Text kritisch durchzusehen.

    Podcast

    Mit Christian habe ich eine neue Folge für das Feierabendbier Open Education aufgenommen. Hier wirkt sich mein Wechsel nach Berlin positiv auf die Produktivität aus :=)

    Ich bastele daneben noch an einem eigenen Podcast-Projekt und werde dazu auch bald mehr schreiben können. Diese öffentliche Äußerung soll meiner Motivation dienen.