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  • Relationierung von Bildung und Technik – meine Antrittsvorlesung

    Relationierung von Bildung und Technik – meine Antrittsvorlesung

    Als letzten Schritt im Rahmen meines Habilitationsverfahrens an der FernUniversität in Hagen durfte ich am Mittwoch den 27. September 2017 eine Antrittsvorlesung halten.
    Ich habe mich dabei mit dem Verhältnis von Bildung und Technik beschäftigt und stelle meine Überlegungen gerne auch hier zur Diskussion.
    Mein Redemanuskript findet sich hier und die Folien hier. Eine Aufzeichnung von meinem Vortrag gibt es auch.
    [youtube https://www.youtube.com/watch?v=QVUIAwuvQ48&w=560&h=315]

  • Warum wir für Arbeit 4.0 nicht Bildung 4.0 brauchen

    so der Titel des Vortrags, zu dem ich für die Frühjahrstagung der Deutschen Gesellschaft für Wissenschaftliche Weiterbildung und Fernstudien nach Hannover eingeladen wurde.

    Leibnizhaus Hannover (Foto von Markus Deimann, CC-BY)

    Mit meinem Vortrag (Aufzeichnung, Slides, Manuskript) wollte ich den Fehlschluss problematisieren, bei der die sog. vierte Revolution der Menschheit für Arbeit und Industrie auf Bildung übertragbar ist. Als Bildungswissenschaftler ist mir wichtig, Bildung als eigenständige Disziplin mit langer Tradition deutlich zu machen. Es gibt eine Eigenlogik bei Bildung, die bei Innovationsversuchen („Bildung 4.0“) zu berücksichtigen ist. Stattdessen wird Bildung instrumentalisiert und kolonialisiert von Ingenieurkunst, Technik und IT, so wir kürzlich in der FAZ, als HPI-Direktor Meinel Humboldt sogar zum Fan der Bildungscloud machte. Das ist eine reine Zuschreibung, die sich nicht begründen lässt.
    Demgegenüber stelle ich eine bildungsphilosophisch ausgerichtete Perspektive, mit der die gängigen Annahmen der „digitalen Bildung“ kritisch diskutiert werden können.

  • Der Geist der (disruptiven) Innovation

    Der Geist der (disruptiven) Innovation

    Der Forschungsgipfel 2017, ausgerichtet vom Stifterverband, der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI), stand unter dem Motto “Aufbau einer neuen Innovations- und Wagniskultur” und arbeitete sich eher klassisch in Form von Keynotes, Blitzlichtern und Inner Circle Diskussionsrunden am Thema ab. Die Foren waren hochkarätig besetzt mit Vertreter/innen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft (u.a. BM Altmaier) und boten dank einer engagierten Moderation einen vielfältigen Einblick in die aktuelle Diskussion.
     
    Bereits zu Beginn waberte der Geist der disruptiven Innovation durchs Allianz Forum, der dann im weiteren Verlauf immer wieder beschworen und angerufen wurde. Es blieb aber eher diffus gespenstisch, ohne klar herauszuarbeiten, was mit “disruptiver Innovation” genau gemeint ist. Wo kommt der Begriff her und warum soll sich damit ein Forschungsgipfel beschäftigen? Das waren Fragen, die zu Beginn diskutiert werden sollten, um von dort aus eine systematische Debatte führen zu können.  
     
    Stattdessen wurde eher affirmativ denn aufklärerisch argumentiert und eine hohe Schlagzahl vorgegeben. Es braucht nichts weniger als eine radikale Innovation, um den Anschluss an andere Märkte (USA, Asien) nicht zu verpassen. Die Politik ist damit aufgefordert, geeignete Rahmenbedingungen für mehr Innovation und Unternehmertum (sog. Entrepreneurship) in Deutschland zu schaffen. Als ikonisches Leitild dient das Silicon Valley mit seiner ausgeprägten Start-up-Kultur, da sie durch ihre  konsequent auf Innovation ausgerichtete Mentalität überkommene Strukturen und Konventionen durchbrechen und den Weg frei für völlig neue Geschäftsmodelle machen können.
     
    Damit war die Marschroute für den Tag vorgegeben, der Blick ging nach vorne und suchte in den verschiedenen Panels nach Treibstoff für die Transformation. Die Anschlussfähigkeit der Diskussion, sowohl für den äußeren Kreis (der im Verlaufe des Tages leider nicht zu Wort kommen durfte) sowie für die interessierte Öffentlichkeit, könnte erhöht werden, indem man an folgenden Punkten arbeitet:
     

    • Breite, partizipative Verständigung über die Ziele und die Art, wie digitale Transformation gestaltet werden kann. Die gegenwärtige Diskussion ist bestimmt von Vordenker/innen wie Peter Thiel oder Elon Musk, die aufgrund ihrer finanziellen und organisatorischen Ressourcen eine privilegierte Stellung haben und dadurch von den Medien als eine Art personifizierte Regierungssprecher der Technik gemacht werden. Dadurch haben es andere Akteur/innen schwer, sich in die Debatte einzumischen. Dies ist jedoch wichtig, da die sog. digitale Transformation – wie immer wieder betont wird – die gesamte Gesellschaft tangiert.

     

    • Mut zur Gelassenheit. Der selbstauferlegte Druck zur (radikalen) Veränderung von fast allen Konventionen ist mittlerweile immens geworden und kann zu einer hektischen Betriebsamkeit führen. So schrieb etwa Paul Krugman letztes Jahr in der New York Times: “So what do I think is going on with technology? The answer is that I don’t know — but neither does anyone else. Maybe my friends at Google are right, and Big Data will soon transform everything. Maybe 3-D printing will bring the information revolution into the material world. Or maybe we’re on track for another big meh. What I’m pretty sure about, however, is that we ought to scale back the hype.” Es geht dabei nicht  darum, technologische Innovationen zu ignorieren oder per se abzulehnen, sondern ihnen mit einer reflektierteren Haltung entgegenzutreten, die sich auch der eigenen kulturellen Wurzeln bewusst ist.

     

    • Den Blick zurück werfen. Die aktuelle Fokussierung auf das Silicon Valley als Tempel der Innovation verstellt den Blick auf die Entstehungsgeschichte. Es ist jedoch wichtig zu verstehen, wie und warum es zu bestimmten Entwicklungen gekommen ist, insbesondere um Alternativen dazu entwerfen zu können. Für das Silicon Valley mit ihrem Glaube an technische Lösungen für (zum Teil noch gar nicht bekannte) Probleme (Solutionismus) ist dies als Kalifornische Ideologie identifiziert worden. Im Fall des Buzzwords “disruptive Innovation” ist der Artikel im New Yorker “The Disruption Machine” empfehlenswert, da er aufzeigt, wie inflationär inzwischen mit dem Begriff gearbeitet wird. So wird versucht argumentative Bezüge herzustellen, die so keineswegs in der Ursprungsidee enthalten sind.

     
    Somit bleibt für mich ein eher gemischter Eindruck. Einerseits boten die Panels gute Einblicke in die verschiedenen Aktivitäten, Innovation kulturell und institutionell zu fördern. Dem steht auf der anderen Seite ein Mangel an Partizipation gegenüber, da die “Inner Circles” keine “strukturelle Kopplung” mit der Außenwelt hatten.

  • Im akademischen Olymp

    Nach über 15 Jahren (meinen ersten Vertrag als wiss. Mitarbeiter bekam ich am 01.11.2001 an der TU Ilmenau) Dienst in und an der Wissenschaft, bin ich seit kurzem im akademischen Olymp angekommen. Anfang März fand die letzte Etappe meines Habilitationsverfahrens an der FernUniversität in Hagen statt und ich wurde eingeladen zum (Probe-)Vortrag

    Bildungswissenschaft als Medienbildungswissenschaft für die Netzwerkgesellschaft

    Slides 
    Manuskript
    Zuvor musste ich die Hürde der schriftlichen Leistung nehmen und habe dazu die ausführliche und grundlegende Abhandlung „Open Education. Gegenstand. Theorie. Diskurs“ verfasst. Die Vorbereitung zur Veröffentlichung in einem Verlag laufen gerade und ich hoffe, bald alles Organisatorische geklärt zu haben.
    Da ich beim offiziellen Akt – die Habilitationskommission schlägt dem Fakultätsrat vor, mich zu habilitieren – nicht dabei sein konnte, fand heute eine kleine Feierstunde mit Übergabe der Urkunde statt.

     
     
     
     
     
     
     
    Zufrieden und voller Tatendrang für die kommenden Aufgaben und Projekte geht diese Etappe für mich zu Ende.
     
     
     
     

  • pMOOCs ein (un)mögliches (Hochschul-)Format?

    Für das Arbeitstreffen des Netzwerks „Offene Hochschule“ am 5. und 6. Dezember in Weimar boten Kerstin Liesegang, Chrisitan Vogel und ich diesen Workshop an.
    Nach einer kurzen Abfrage, was die TN unter MOOCs verstehen, führte ich in das Konzept der p(rofessional) MOOCs ein, das wir an der FH Lübeck umsetzen. Auf der MOOC-Plattform mooin findet sich dazu u.a. der Kurs „Mathe endlich verstehen„. Die pMOOCs verstehen sich als Instrument zur Förderung durchlässigen berufsbegleitenden Studierens, d.h. berufliche und akademisch Bildung sollen einander näher gebracht werden.
    Im Workshop stellen wir dann das Konzept des Kaiserslauterer Open Online Course (KLOOC) zum Thema „Nachhaltige Entwicklung“ vor und das diesbezügliche Evaluationsdesign (PDF).
    In der anschließenden Diskussion ging es um weitere mögliche Einsatzszenarien von MOOCs, etwa im Zusammenhang mit der Öffnung von Hochschule.
    Eine ausführliche Workshopdokumentation findet sich in diesem PDF. doku_moocs_liesegang-deimann-vogel-002